Monika Karsch und der ewige Kampf mit der Quote
Die Regensburgerin muss in Finnland unter die ersten vier kommen – vielleicht reicht aber auch weniger, um im Olympiarennen zu bleiben.
Volle Konzentration: Was vor einem Jahr in Belgrad in die Hose ging, soll in Vierumäki für Pistolenschützin Monika Karsch klappen. Foto: imago
REGENSBURG.
Quote, es dreht sich auf vielen Gebieten viel um die Quote: Im Fernsehen, in der Politik – und bei den Sportschützen. Ganz besonders in einem Olympiajahr wie 2012. Die Regensburgerin Monika Karsch ist ein gutes Beispiel: Die Pistolenschützin ist gestern mit nur einem Ziel zur Europameisterschaft ins finnische Vierumäki aufgebrochen: im Luftpistolen-Finale am Sonntag einen von vier Quotenplätzen für London zu holen.
Gesichert ist das nur unter den ersten vier – wobei selbst ein Europameistertitel für Karsch nicht das Ticket bedeutet. Dann geht es auf nationaler Ebene erst noch munter weiter, im äußersten Fall bis ein paar Wochen vor den Olympischen Spielen. „Es kommt auf die Konstellation in Finnland an: Wie viele Quotenplätze werden geholt und wer holt sie?“
Noch schwieriger wird es, wenn die 29-Jährige jenseits der Top vier landet. Auch dann ist längst nicht alles vorbei. „Das System ist schwer zu erklären, selbst für mich“, sagt Karsch und versucht es dennoch: „Wenn Leute aus der Weltrangliste vor einem sind, kann man auch als Zwanzigster noch einen Quotenplatz bekommen. Sind es aber lauter Nobodys, kann schon Platz fünf nicht reichen.“ Alles klar?
Noch plastischer macht die Sache Monika Karschs EM-Auftritt vor einem Jahr in Belgrad mit der Sportpistole: Im Vorfeld stimmten Form und Vorbereitung, „nur der Wettkampf ging halt in die Hose“ – Platz 29, der Tag war ein rabenschwarzer. Das war doppelt und dreifach ärgerlich, denn: „Der Quotenplatz ist bis Platz 17 oder so runtergerutscht. Da wäre es einfacher gewesen. Aber da hat derjenige eben einfach Glück gehabt.“
Monika Karsch könnte also heute wie neun andere deutsche Sportschützen, darunter auch Trainings- und Kelheim-Gmünder Klubkollegin Munkhbayar Dorjsuren, für Olympia in London gesetzt sein. So aber musste die junge Mutter einen Umweg nehmen. „Belgrad war auch deswegen so ein Niederschlag, weil jetzt in Finnland nur mit der Luftpistole geschossen wird“, sagt Karsch. Luftpistole – das ist nicht das Spezialterrain der Regensburgerin, wie der Blick auf die Weltrangliste zeigt. Mit der Sportpistole, mit der aus 25 Metern im Freien geschossen wird, liegt Karsch auf Weltranglistenposition 27. Mit der Luftpistole, einer in jedem Schützenverein gängigen Waffe, mit der aus zehn Metern und in der Halle geschossen wird, ist sie auf Rang 72 eingestuft. „Deswegen musste ich mich mit dem Gedanken auch erst anfreunden, diesen Weg zu gehen“, sagt Karsch, suchte aber die zweite Chance mit der Zweitwaffe.
Der Weg zu Olympia kann für sie noch ein weiter werden. Das Wichtigste aber ist erst einmal die Quote. Denn auch das ist klar: Ohne ergatterten Quotenplatz ist für Monika Karsch der Traum von Olympia vorbei.


